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Besuchenswert: Das Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern

Besuchenswert: Das Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern

Von der Redaktion·6 Min. Lesezeit

Wer im Tölzer oder im Werdenfelser Land unterwegs ist, sollte nicht versäumen, Zeit für einen ausführlichen Abstecher zum Freilichtmuseum Glentleiten in der Gemeinde Großweil oberhalb des Kochelsees einzuplanen. Hier erhalten Besucher auf einem ca. 40 Hektar großen Areal anhand von fast 70 historischen Gebäuden, die an ihrem Originalstandort abgetragen und auf dem Museumsgelände wieder aufgebaut wurden, faszinierende Einblicke in den früheren Alltag der Menschen in den verschiedenen ländlichen Regionen Oberbayerns.

Das Freilichtmuseum liegt auf etwa 750 m Meereshöhe auf der Grenze der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen.
Das Freilichtmuseum liegt auf etwa 750 m Meereshöhe auf der Grenze der Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Garmisch-Partenkirchen.

Die Arbeitswelt, Bräuche und Traditionen mit ihren regionalen Unterschieden werden an der Glentleiten auch anhand der umfangreichen volkskundlichen Sammlung erlebbar. Diese umfasst rund 80 000 historische Objekte, vor allem Möbel, Textilien, Arbeitsgeräte und Haushaltswaren sowie religiöse Gegenstände.

In den historischen Gebäuden werden bei täglichen Vorführungen von März bis November alte Handwerkstechniken anschaulich demonstriert. Hier zeigen fast 30 Spezialisten traditioneller Berufe ihre vielfach in Vergessenheit geratenen Fertigkeiten wie das Filzen von Wolle, das Klöppeln oder das Fertigen von Wetzsteinen und Seilen.

Alte Obst- und Gemüsesorten in den Gärten

Das Areal der Glentleiten ist eine historisch gewachsene Kulturlandschaft samt Spuren ihrer früheren Nutzung. Vor der Gründung des Museums diente das Gelände nämlich als Sommerweide für das Großweiler Vieh. Durch die jahrhundertelange Beweidung und Holznutzung entstand eine Weidelandschaft, die man "Hutung" nennt. Typisch dafür sind vor allem große Einzelbäume, meist Eichen.

Zu vielen der nach ihrer geografischen Herkunft angeordneten Hofanlagen gehören seit jeher Gärten, die stets in unmittelbarer Nähe des Wohnhauses lagen und von einem dichten Zaun umgeben waren, der sie vor Kleinvieh schützte. Die letzten Bewohnerinnen und Bewohner der historischen Gebäude wurden von Mitarbeitern des Museums nach ihren Gärten und den darin angebauten Gemüse-, Obst-, Kräuter- und Blumensorten gefragt. Auf Grundlage dieser Informationen konnten schließlich über 15 Gärten originalgetreu rekonstruiert werden.

Neben Hausgärten befinden sich an der Glentleiten auch Themengärten wie etwa der zur Zeit des Mittelalters. Dieser basiert auf historischen Plänen und Pflanzlisten von Klöstern und zeigt eine idealtypische Bepflanzung mit Nahrungs-, Gewürz- und Heilpflanzen. Auch ein Krautgarten, wie er früher an fast allen Ortsrändern zu finden war, lädt die Besucher zur Besichtigung ein.

In den Gärten werden im Jahresverlauf zahlreiche Kräuter- und Gemüse-Sorten angepflanzt. Hier nur ein kleiner Ausschnitt aus der Pflanzliste alter Gemüsesorten des Jahres 2026:

Salate: „Altöttinger Großkopfada“, „Brauner Trotzkopf“, „Forellenschluss“, „Guter Heinrich“

Bohnen: „Monstranz“, „Steirische Käferbohne“, „Rotholzer“

Wurzelgemüse: „Stoppelrübe aus der Wildschönau“, Bayerische Rübe“, Rote Beete „Crapaudine“

Winterweizen: „Graf Törring“, „Berchtesgadener Vogel“, „Laufener Landweizen“; Winterroggen „Waldstaudekorn“

Kohlgemüse: „Ismaninger Kraut“, Kohlrabi „Böhmischer Strunk“, „Wildkohl“

Der Anbau mancher Sorten reicht bis ins 16.Jahrhundert zurück. Durch die Züchtung ertragreicherer moderner Sorten gerieten viele von ihnen in Vergessenheit. Das Freilandmuseum in Person des Gärtnermeisters Peter Miller leistet hier einen wichtigen Beitrag zum Erhalt des genetischen Erbes.

Auch das einst hochgeschätzte, inzwischen extrem seltene „Ismaninger Kraut“, ein „Arche Passagier“ von Slow Food, wird an der Glentleiten angebaut. Ihm haben wir ein Portrait unter „Sorten und Rassen“ gewidmet.
Auch das einst hochgeschätzte, inzwischen extrem seltene „Ismaninger Kraut“, ein „Arche Passagier“ von Slow Food, wird an der Glentleiten angebaut. Ihm haben wir ein Portrait unter „Sorten und Rassen“ gewidmet.

Auch Obstbäume von einstmals verbreiteten Äpfeln, Birnen und Zwetschgen zeugen von der früheren genetischen Vielfalt und dem Sortenreichtum oberbayerischer Bauernhöfe. Und sie regen vielleicht den einen oder anderen Betrachter an, diese robusten, an die klimatischen Bedingungen der Region angepassten Sorten selbst anzupflanzen.

Seltene Nutztier-Rassen grasen auf den Weiden

Neben dem ursprünglichen Wald- und Baumbestand sowie den Gärten können die Besucher auf dem weitläufigen Gelände auch Weiden besichtigen, auf denen gefährdete Nutztierrassen zu sehen sind.

Wie im Fall der Kulturpflanzen präsentiert das Freilichtmuseum seinen Besuchern auch hier ein breites Spektrum an Arten, die einstmals in (Ober-)Bayern verbreitet und beliebt waren, aber infolge der Intensivierung und Industrialisierung der Landwirtschaft mit der Zeit immer mehr verschwanden. Und das, obwohl sie über besondere Eigenschaften verfügen wie etwa Langlebigkeit, Fruchtbarkeit, Genügsamkeit, Eignung für Mutterkuh- und Weidehaltung auf kargen Böden und hervorragende Fleischqualität.

Zu bestaunen gibt es an der Glentleiten auch zwei auffallend hübsche Geflügelrassen. Zum einen die Bayerischen Landgänse, die früher in unterschiedlichen Farbschlägen - reinweiß, wildfarben-grau, blau, braun und zweifarbig - fast in allen Regionen des Freistaats wegen ihrer Fleischqualität gehalten wurden.

Die Bayerischen Landgänse kommen in verschiedenen Farbschlägen vor
Die Bayerischen Landgänse kommen in verschiedenen Farbschlägen vor

Zum anderen tummeln sich die bunten Bayerischen Landzwerghühner auf den Wiesen. Die auch kurz Bayerische Landzwerge genannten, lebhaften Tiere galten bereits als ausgestorben, bis vor wenigen Jahren kleine Restbestände auf einer Handvoll Bauernhöfen wiederentdeckt wurden. Auch bei ihnen herrscht eine große Bandbreite an Farben, so kommen diese Tiere in wildbraun, gelb, rot, schwarz, mit oder ohne Scheckung vor.

Bei dieser Rasse handelt es sich um ein sogenanntes Urzwerghuhn, das von Anfang an als Kleinform gezüchtet wurde und keine später entstandene Miniaturausgabe gewöhnlich großer Rassen darstellt.

Als typische Drei-Nutzungsrasse der Region rund um das Freilichtmuseum erfreute sich das Murnau-Werdenfelser Rind lange Zeit großer Beliebtheit. Neben seiner Fleisch- und Milchqualität wurde auch die Stärke der Zugochsen geschätzt.

Wiesenumbruch in der Egartfläche im Loisach-Kochel-Moos mit Murnau-Werdenfelser Ochsen, um 1930
Wiesenumbruch in der Egartfläche im Loisach-Kochel-Moos mit Murnau-Werdenfelser Ochsen, um 1930

Einst war die damals häufigste Rasse Oberbayerns vor allem auf Feuchtwiesen und Almen Oberbayerns mit bis zu 62 000 Tieren vertreten, bis sie infolge der Verdrängung durch leistungsstärkere Rassen mit gerade mal 160 verbliebenen reinrassigen Exemplaren unmittelbar vor dem Aussterben stand. Heute ist es vor allem einem engagierten Förderverein und einer „MuWe-Vermarktungsgesellschaft“ zu verdanken, dass die Qualitäten der „Oberländer“ bei Bauern und Verbrauchern wieder zunehmend geschätzt werden.

Im Sommerhalbjahr grasen auf den Weiden des Museums Murnau-Werdenfelser Rinder eines Bauern aus der Region
Im Sommerhalbjahr grasen auf den Weiden des Museums Murnau-Werdenfelser Rinder eines Bauern aus der Region

Gleich drei Schafrassen, die in der Bayerischen Alpenregion beheimatet sind, werden im Freilichtmuseum gehalten. Das urtümliche Alpine Steinschaf, das seinen Verbreitungsschwerpunkt im Berchtesgadener Land hat, ist eine der ältesten Schafrassen. In der Rubrik „Sorten und Rassen“ stellen wir es ausführlich vor. Die Tiere zeichnen sich durch Widerstandsfähigkeit, Anspruchslosigkeit, Trittsicherheit im Hochgebirge und Fruchtbarkeit aus.

Rassetypischer Bock des Alpinen Steinschafs mit Schneckenhorn
Rassetypischer Bock des Alpinen Steinschafs mit Schneckenhorn

In den bayerischen Alpenregionen war auch das Bergschaf lange die typische Schafrasse. Es kommen – wie die an der Glentleiten gehaltenen Exemplare - vornehmlich weiße und etwas leichtere braune Tiere vor, ganz selten findet man noch welche des schwarzen Farbschlags. Inzwischen gelten alle Bergschafrassen als gefährdet.

Attraktive Veranstaltungen locken zahlreiche Besucher an

Über das umfangreiche Veranstaltungsprogramm, zu dem auch ein spezielles Angebot für Kinder zählt, informiert die Website des Museums. Dort finden sich auch Beschreibungen von temporären Sonderausstellungen.

Aussteuer-Schrank in der Sonderausstellung „Alltagsschätze“ in 2026
Aussteuer-Schrank in der Sonderausstellung „Alltagsschätze“ in 2026

Große Beachtung fand z.B. die Sonderausstellung „Tierisch nützlich. Der Mensch und sein Vieh“, welche die Nutztierhaltung auf dem Land in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft thematisierte.

In manchen Jahren wird im Herbst ein „Obsttag“ veranstaltet, an welchem Bewohner aus der Region ihre namentlich nicht bekannten, reifen Äpfel oder Birnen aus ihren Gärten mitbringen können, die dann von Pomologen und Gartenbauexperten bestimmt werden.

Morgenstimmung am Brunnenkaser
Morgenstimmung am Brunnenkaser

Freilichtmuseum Glentleiten des Bezirks Oberbayern

An der Glentleiten 4 82439 Großweil

Tel.: +49 (0)8851/185-0

Links:

Startseite Museum: https://www.glentleiten.de/

Programmübersicht: https://www.glentleiten.de/programm/

Slow Food „Arche des Geschmacks“: https://www.slowfood.de/was-wir-tun/projekte-aktionen-und-kampagnen/arche-des-geschmacks

Beiträge über „Arche Passagiere“ an der Glentleiten in touremo.com:

Alpines Steinschaf: https://touremo.com/das-alpine-steinschaf-genugsam-und-zutraulich

Murnau-Werdenfelser Rind: https://www.slowfood.de/was-wir-tun/projekte-aktionen-und-kampagnen/arche-des-geschmacks/die_arche_passagiere/murnauwerdenfelserrind

Ismaninger Kraut: https://touremo.com/arche-passagier-ismaninger-das-schmackhafte-riesenkraut

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