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"Das Ernährungssystem braucht ein Miteinander"

"Das Ernährungssystem braucht ein Miteinander"

Von der Redaktion·5 Min. Lesezeit

Bereits seit dem 23. April und noch bis zum 18.10. 2026 wird Besuchern/Besucherinnen in der Sonderausstellung „CONVIVIUM. Nahrungssysteme am Limit“ des in der Pinakothek der Moderne befindlichen Architekturmuseums der TU München anschaulich vermittelt, wie die weltweite Ernährung durch globale Netzwerke und wirtschaftliche Interessen geprägt wird.

Dabei wird verdeutlicht, wie Überproduktion und Überkonsum zu falscher Ernährung und großer Lebensmittelverschwendung führen. Zudem wird demonstriert, wie dieses System durch Klimawandel, Überfischung, Bodenerosion und zunehmende Dürren an seine Grenzen stößt. Die Ausstellung stellt die Frage, wie eine gerechte und nachhaltige Ernährung der Weltbevölkerung künftig gesichert werden kann.

Tierzucht auf die Spitze getrieben: Zuchtbulle der Fleisch-Rasse „British Blue“
Tierzucht auf die Spitze getrieben: Zuchtbulle der Fleisch-Rasse „British Blue“

Themen, auf die die Slow Food Bewegung seit mittlerweile 40 Jahren aufmerksam macht und dabei den Fokus auf positive Ansätze zur Problemlösung legt. Das Engagement richtet sich dabei auf eine nachhaltige Landwirtschaft nach den Prinzipien der Agrarökologie, man tritt ein für handwerkliche Fischerei und für eine Lebensmittelproduktion, die im Einklang mit unseren Ökosystemen steht, den Tierschutz achtet, die Arbeit der ErzeugerInnen wertschätzt und zur Wiederbelebung ländlicher Regionen beiträgt.

Durch Zusammenarbeit, Dialog und das Teilen von Wissen werden VerbraucherInnen zu aktiven Gestaltern des Ernährungssystems. Lokale Gemeinschaften schaffen die Beziehungen, das Wissen und das Verantwortungsbewusstsein, die notwendig sind, um ein Ernährungssystem aufzubauen, das den Grundsätzen von Slow Food entspricht: gut, sauber und fair

Bildausschnitt vom „Plastik-Meer” der Tomatenproduktion unter Folie in Almería/Südspanien
Bildausschnitt vom „Plastik-Meer” der Tomatenproduktion unter Folie in Almería/Südspanien

„Unsere Antwort auf die vielfältigen Krisen, die wir erleben, sollte ein klares Miteinander sein. Als Einzelne fühlen wir uns angesichts der Herausforderungen oft überfordert. Umso wichtiger ist es, dass wir als Zivilgesellschaft zusammenkommen, unsere Kräfte bündeln und gemeinsam mit all jenen handeln, die einen echten Wandel voranbringen wollen – im privaten wie im öffentlichen Sektor.“

Marta Messa, Generalsekretärin von Slow Food.
Marta Messa, Generalsekretärin von Slow Food.

Marta Messa eröffnet am Abend des 30.9.2026 um 19.00 Uhr die Podiumsdiskussion mit einer Keynote. Im Laufe der Diskussion wird sie auch ihre Erfahrung als Teilnehmerin des “Strategischen Dialogs zur Zukunft der EU-Landwirtschaft” ansprechen. Dieser wurde von der Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen 2024 eingeleitet und brachte 29 wichtige InteressenträgerInnen aus dem europäischen Agrar- und Lebensmittelsektor, der Zivilgesellschaft, dem ländlichen Raum und der Wissenschaft an einen Tisch, um sich auf eine gemeinsame Vorgehensweise über die Zukunft der Agrar- und Lebensmittelsysteme in der EU zu verständigen.

Begrüßung: Prof. Andres Lepik, Direktor des Architekturmuseums der TU München und Kurator der Ausstellung "Convivium".

An der Diskussion nehmen teil:

  • Marta Messa, Generalsekretärin von Slow Food
  • Tina Andres, Vorstandsvorsitzende Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW)
  • Prof. Alois Heißenhuber, Agrarökonom und emeritierter Professor an der Technischen Universität München (TUM).
  • Prof. Peter Strohschneider, ehem. Vorsitzender des Strategischen Dialogs über die Zukunft der Landwirtschaft bei der Europäischen Union und der Zukunftskommission Landwirtschaft ZKL der Bundesregierung)

Moderation: Christine Schneider (ehem. Redakteurin Landwirtschaft und Umwelt, BR)

Wer schon früher anwesend ist, kann von 16:30 bis 18:00 Uhr an einer Führung durch die Ausstellung mit Kuratorin Andjelka Badnjar teilnehmen. Anmeldung dafür direkt beim Museum: anmeldung@architekturmuseum.de.

Passend zum Titel "Das Ernährungssystem braucht ein Miteinander" präsentieren sich im Vorraum des Ernst von Siemens-Auditoriums Organisationen und Unternehmen, in denen dieses Miteinander bereits gelebt wird:

  • Kulturland eG – Genossenschaft für Flächensicherung in der Bio-Landwirtschaft
  • Kartoffelkombinat – größte Solidarische Landwirtschaft (Solawi) Deutschlands, München
  • Münchner FoodHub – solidarischer Mitmach-Supermarkt in Obergiesing
  • Hofpfisterei – Münchner Bio-Bäckerei mit Natursauerteigbroten

Rahmenprogramm im Pavillon 333  

Ab 17 Uhr laden im Pavillon 333, Türkenstraße 15, 80333 München - unmittelbar neben dem Museum gelegen - folgende Organisationen zum Besuch ein: 

Veranstaltungsort: Pinakothek der Moderne, Barer Str. 40, 80333 München

Die Ausstellung „CONVIVIUM. Nahrungssysteme am Limit“

Die industrielle Wachstumslogik motiviert Nahrungsmittelhersteller, immer mehr Erzeugnisse zu produzieren, die durch Überkonsum zu falscher Ernährung und zu einer massiven Verschwendung von Ressourcen führen. Doch dieses System kommt nun durch Klimaerwärmung sowie politische und ökonomische Herausforderungen immer mehr an seine Grenzen. Viele Meere sind bereits überfischt, fruchtbare Ackerböden werden überbaut oder erodieren und weite Landstriche verwüsten, weil es nicht genug Regen gibt. Ganzen Regionen werden die Lebensgrundlagen entzogen und damit massive Ströme von „Wirtschafts-Flüchtlingen“ ausgelöst. Zugleich trägt die Nahrungsproduktion selbst durch den wachsenden CO2-Ausstoß massiv zum Klimawandel bei – ein Teufelskreis, der immer sichtbarer wird. Kaum ein Land der Erde kann seine Bevölkerung noch aus eigenen Ressourcen ernähren.

Die Ausstellung präsentiert in zwölf Kapiteln anschauliche Beispiele dafür, wie unsere Lebensmittel heute produziert und vertrieben werden. Der Blick richtet sich vor allem auf Europa, doch die globalen Zusammenhänge werden stets einbezogen. Ziel der Ausstellung ist es, für die Besucher:innen sichtbar zu machen, welche räumlichen und technischen Grundlagen es für unsere Nahrungsproduktion gibt – und welche Herausforderungen und Chancen sich daraus für die Zukunft ergeben.

Produktion von Tomaten in riesigen Hallen
Produktion von Tomaten in riesigen Hallen

Eines der Kapitel widmet sich der heutigen Tierzucht. Der moderne Kuhstall ist ein Paradebeispiel für die zunehmenden Widersprüche der Nahrungsproduktion. Digitale Steuerungssysteme, genetische Züchtungen und Reproduktionstechnologien bestimmen den Wettlauf um immer mehr Milch und Fleisch. Die Tiere werden auf maximale Leistung designt, Landwirte und Bäuerinnen mutieren zusehends zu ManagerInnen von vordefinierten Programmen und Robotik.

Hochtechnisierte Melkanlage
Hochtechnisierte Melkanlage

Ein weiteres Kapitel handelt vom Zusammenhang zwischen Aquakultur in Nordeuropa und der Massenproduktion von Tomaten und anderem Gemüse z.B. in Spanien. Die Lachszucht ist zu einer globalen Industrie aufgestiegen. Doch ihr Wachstum hat einen hohen Preis: Für das Futter der Zuchtfische wird wild gefangener Fisch zu Fischmehl verarbeitet. Durch Überfischung ist die lokale Kleinfischerei einiger Küstenregionen in Westafrika zusammengebrochen. Viele Menschen verlieren dadurch ihre Lebensgrundlage und werden in die Migration nach Südeuropa oder die Kanarischen Inseln getrieben. Viele, die die gefährliche Überfahrt überleben, landen als SchwarzarbeiterInnen – illegal und unter prekären Bedingungen – in den Gewächshäusern der Tomatenproduktion.

Von den drastischen Auswirkungen der gigantischen Fischmehlproduktion handelt ein ZDF-Film, den wir demnächst in „Empfehlungen“ vorstellen werden.

  • Slow Food Deutschland
  • Sonderausstellung Nahrungssysteme am Limit
  • Architekturmuseum der TUM
  • Pinakothek der Moderne
  • Pavillon 333
  • Podiumsdiskussion
  • Marta Messa
  • Lachs und Tomate
  • Aquakultur